Integration des automatisierten ÖPNV in den städtischen Raum

Welche Chancen eröffnen sich gerade für kleinere Städte durch einen automatisierten ÖPNV? Am Beispiel einer deutschen Kleinstadt wird dies in dieser Geschichte plastisch illustriert.

In der Story „Zukunft der Mobilität“ wird erzählt, dass der anthropogene Klimawandel der Haupttreiber für einen Mobilitätswandel ist. Unabhängig davon, welche Technologien uns in Zukunft zur Verfügung stehen, werden wir unsere Städte neu planen und gestalten, so dass wir in multifunktionalen Quartieren, in denen wir die wesentlichen täglichen Bedürfnisse, ohne weite Strecken zurücklegen zu müssen, befriedigen können. Die urbane Raumstruktur in vielen Städten wird ganz anders sein als heute. Wenn wir über die Integration des automatisierten ÖPNV im städtischen Raum reden, sollten wir nicht von den bestehenden Strukturen ausgehen. Vielmehr sollten wir darüber nachdenken, inwiefern ein automatisierter ÖPNV ein Instrument in der Transformation unserer Städte und Regionen zur Klimaneutralität sein könnte.

Gerade in den Randgebieten von Großstädten oder in Kleinstädten im Ländlichen Raum, ist es heute zu kostspielig einen attraktiven ÖPNV aufzubauen. Attraktivität des ÖPNV entsteht vor allem durch hohe Frequenz (alle 3 bis 10 Minuten) und räumliche Verfügbarkeit (ich muss nicht weit gehen, um den ÖPNV zu nutzen). Diese beiden Faktoren treiben jedoch die Personalkosten für den ÖPNV massiv in die Höhe. Automatisierte People Mover, kleine Busse für 6 bis 9 Personen könnten hier das Angebot eines ÖPNV, der auch gerne von den Menschen genutzt wird, ermöglichen.

Nehmen wir als Beispiel eine Kleinstadt wie Lindau am Bodensee. Lindau hat rund 25.000 Einwohner. Das Zentrum der Stadt mit einem großen Altbaubestand liegt auf einer Insel und zieht gerade in den Sommermonaten viele Touristen an. 34% des Binnenverkehrs in Lindau werden mit dem Auto zurückgelegt. Im Quell-/Ziel-Verkehr sind es 68%. Der MIV macht bei Wegen von 0 – 2 km 29% aus, der ÖPNV nur 1%, bei wegen zwischen 2 und 5 km wird von 50% der Bürgerinnen und Bürger auf das Auto und nur von 6% auf den ÖPNV zurückgegriffen und bei Wegen von 5 – 10 km sind 68% MIV und 11% ÖPNV. Als häufigsten Grund (35% trifft zu und 15% trifft teilweise zu) dafür, warum der PKW genutzt wird, nennen die Befragten „Einkaufen“. Als zweithäufigster Grund (30% trifft zu und 12% trifft teilweise zu) wird „bequem“ angegeben.

Die Menschen nutzen in Lindau in erster Linie das Auto fürs Einkaufen und weil es bequem ist und das selbst für sehr kurze Strecken. Dem hingegen wird der ÖPNV auf kurzen Strecken fast überhaupt nicht genutzt. Fährt man in Lindau nicht mit dem PKW fährt man mit dem Rad oder geht zu Fuß (ca. 50% der Wege). Bei weiterer Erhöhung der aktiven Mobilität (Fahrradfahren, zu Fuß gehen) muss es Strategie sein, den Anteil des MIV durch einen automatisierten ÖPNV und Lieferdienstleistungsangebote mittels Lastenfahrrädern oder selbstfahrender kleiner Trolley-Container zu erhöhen. Wenn ich dann in Lindau einkaufe, kann ich auf schönen und anregenden Wegen zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder den alle paar Minuten bei mir ums Eck vorbeikommenden Buss nehmen und wenn ich wieder daheim bin und meine Einkäufe in Empfang nehmen kann, werden diese mir vor die Tür gebracht.

Dafür muss ich als Kommunalpolitiker und kommunale Verwaltung aber auch den Mut haben, die Innenstadt als autofreie Zone zu erklären, heute für den Straßenverkehr reservierte Bereiche zu reduzieren und stattdessen Fahrspuren für den automatisierten ÖPNV zu reservieren und ein enges Netz an breiten Fahrradwegen für den Lieferverkehr freigeben. Auch ist vorstellbar, dass die Straßennetze in Wohnvierteln dann als Begegnungszonen angelegt werden. Automatisiertes Fahren aus kommunal politischer Sicht hat den Zweck zu vertretbaren Kosten den Bürgerinnen und Bürgern die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Mobilität zu schaffen und damit einen nachhaltigen Lebensstil maßgeblich zu ermöglichen.

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